2. Reise nach Irbit Anfang 1999

Johann Schwarz(2.von links)
im Ural-Werk in Irbit, Sibirien,
zusammen mit den Händlerkollegen:
Jochen Brett, Jörg Warnke,
Vater und Sohn Gossie
und Alois Löw

....und hier ein paar Bilder vom Ural-Werk in Irbit....

Ural-Boote; bereit für die Lackierung
URAL-Boote
warten auf die Lackierung
stillstehendes Fertigungsband
Montageband
Lasten 3-Rad
Lastendreirad
Labor Anno ??? Laboreinrichtung 
Werksverkehr mit Lastenboot
 "Werksverkehr" mit Lastenboot im Werk IRBIT
sonntagsverkehr
und im Sonntagsverkehr

URAL-Werks-Cross-Maschine

...mit Scheibenbremse
Alltagseinsatz
URAL - "Alltags"-einsatz

 

Das Uralmuseum
- auf jeden Fall einen Besuch wert-

Nach dem Werksbesuch hatten wir auch die Gelegenheit das URAL-Museum zu besuchen.

Das Museum befindet sich im ersten Stock des ältesten Gebäudes - einer alten Brauerei! 

 

 

Das Museum

Gespann grün

Die Wände sind mit Abbildungen von Werksrennfahrern und Designstudien geschmückt.

1941 zog das zwei Jahre zuvor gegründete Werk für Militärmotorräder von Moskau nach IRBIT, um Schutz vor deutschen Angriffen zu finden.
Als Ende der fünfziger Jahre ein zweites Werk in KIEW (später unter dem Namen DNEPR bekannt) gegründet wurde,um die Versorgung des Militärs sicherzustellen, verschob sich in IRBIT allmählich die Produktionspalette hin zu zivilen Fahrzeugen.                  
Die Ausstellung ist in drei Räumen dicht gedrängt untergebracht.
Im Eingangszimmer stehen auf einer Fläche von zirka 250 m2 im Halbdunkel 25 Gespanne und fünf Solomaschinen für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete.

 

 

 

 

a) Der Export-Manager,
b) der Leiter des Musterbaus und
c) ein ehemaliger Rennfahrer, der um 1960 herum mit einem Königswellen - Gespann unterwegs war.

Aus ihren Erzählungen klingt der Stolz über die Vergangenheit heraus, aber auch Wehmut darüber, dass sich niemand so richtig um die Firmenhistorie kümmert und einzelne Exponate im Lauf der Jahre schon mal unbemerkt verschwinden können..  ----->

Bezeichnet oder katalogisiert ist hier nichts, so dass wir auf die Auskünfte der drei anwesenden Werksangehörigen angewiesen  sind: 
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Gleich vorn rechts stehen die olivgrünen Begründer der  Russenboxer-Tradition: ein M72-Gespann aus den Vierzigern (eine Kopie der BMW R71) und ein namenloses Gespann aus den Urzeiten des Werks (evtl. sogar noch aus Moskau), das mit angetriebenen Seitenwagenrad, 2-in-1 Auspuffanlage und untersetzem Getriebe der R 75 bzw. Zündapp
K 750 entspricht. 

Nach der Sektion "seitengesteuert" folgt im Halbdunkel des Raums die Abteilung  "SechsVoltPower", danach ein ziemlich hässliches mintgrünes/dunkelblau lackiertes Unikat mit 16" Fahrwerk.
Am anderen Ende der Reihe steht eine Seltenheit aus KIEW: Eines von 200 Gespannen für die Moskauer Staatspolizei gebauten DNEPR-Gespanne aus den Siebzigern - mit E-Starter und Bing-Vergaser.
russia
renn1

Ein Stückchen weiter entdecken wir eine Strassenrennmaschine von 1962 mit einer für die damalige Zeit typischen, orangenen Halbschalenverkleidung und Königswellenmotor. 
Direkt daneben zeigt ein Gespann aus den Achtzigern seine Gussräder. Diese Räder wurden nicht lange produziert, da sie sich als wenig haltbar und in der Herstellung zu teuer erwiesen.

Strassenrennmaschine

Die Ural-Motoren

mot-wand
In einem zweiten Raum sind vor allem Motoren ausgestellt. An den Wänden drängen sich neben- und übereinander  insgesamt 44 Kuriositäten; darunter auch unverblümte Kopien anderer Hersteller. 

4-ventil

4-Ventil-Kopf
Prototyp eines Flugzeugmotors - er war vieel zu schwer!

Wir sehen zum Beispiel einen Vierzylinder "Sternmotor" für ein kleines Flugzeug, der wegen des zu hohen Gewichts nie in Serie ging.

wankel
Ein Rotationskolben- Motor à la Wankel, der neben einem aufgeladenem Triebwerk mit Drehkolbenverdichter hängt.
Ural m. Scheibenbremse Die linke Wand wird von der ersten wasser-gekühlten Ural mit Scheibenbremse (1984) geziert.
Königswellen-Motor

Königswellen - Motor 
Detail

 

 

Kopfdetail

Kopfdetail

 

Königswellen-Motor

 

Königswellen - Motor

Motor 1000ccm Motor
Motor
Motor

 

Daneben gruppieren sich vier Wettbewerbsgespanne. Das erste besitzt eine Vorderradschwinge und wurde für den Moto-Cross-Einsatz gebaut. Die anderen drei sind reine Strassenrenner, einer sogar mit Königswellenmotor.
In der mittleren Reihe sehen wir unter anderem das Model "Teknesis" mit rotem Stern auf weisser Beiwagenschnauze. Bemerkenswert ist der klobige GFK-Beiwagen, dessen Oberteil zum Ein- und Aussteigen nach vorne geschoben wird.
Daneben fallen noch diverse Seitenwagen-Ausführungen auf, die hauptsächlich zu Studienzwecken angefertigt wurden.
Ein paar von ihnen wanderten aber auch - auf welche Weise auch immer - "unter das Volk". Im offiziellen Verkauf blieb es immer bei der altbekannten Form. Auch an der Rahmenkonstruktion hat sich kaum etwas geändert.
Die Gemischaufbereitung  wurde hingegen im Lauf der Jahrzehnte verbessert. Die DellOrto-ähnlichen Flachschiebervergaser K63 / K64 sind neueren Datums, sie wurden in den Siebzigern verbaut. Seit ein paar Jahren gibt es zusätzlich Jikov-Vergaser, die günstigere Abgaswerte ermöglichen.
Weiter versammeln sich hier Boxer mit Gebläse-,  Wasser- und Luftkühlung mit Königswellen-Ventiltrieb, mit vier Ventilen pro Zylinder und sogar ein Vierzylinder-Boxer ist zu bewundern. Eine gewisse Bewunderung für bayerische Produkte zeigt sich in der Ural-Kopie eines gebläsegekühlten 700er BMW-Motors für einen Kleinwagen von 1967 (direkt daneben steht das Original zum Vergleich) und einem K100-Nachbau.
Viele dieser Motoren kamen über den Prototypen-Status nie hinaus. "Früher konnten wir alles bauen - durften aber nicht. Heute dürfen wir alles bauen - können aber nicht" höre ich den ehemaligen Rennfahrer resigniert sagen.

mot-luft   

URAL-Motor 750ccm seitengesteuert mit Gebläsekühlung (Einbau in Kleinautos) mit E-Starter und Magnetzündung.
4-rad
harley1
eine "echte" Harley - Davidson

 

Im dritten Raum versammeln sich, noch viel dichter zusammengepfercht als die Ural-Modelle, mehr als 20 Motorräder 
aus aller Herren Länder.
Sie dienten wohl als Anschauungsobjekte. Neben einer BMW K 100 RT sehen wir zu unserer Freude auch viele schöne Veteranen. Triumph, AJS , Norton, Vincent Black Shadow,Ariel Square Four,  Harley-Davidson,
MotoGuzzi V7 Special, NSU und natürlich BMW R 71.
harley2
cross3
miltär1 Prototyp eines "Knicklenkers"
cross4nicht direkt zum Museum gehört eine Prototypen-Werkstatt, in der unsere erstaunten Blicke auf weitere Unikate treffen - ein geländegängiges Lastendreirad mit Ballonreifen zum Beispiel. 
Ural-Seitenwagenatrieb Prototyp
Prototyp des URAL-Seitenwagenantriebs

Ein paar Mechaniker basteln gerade an den neuen Solomodellen "Voyage" und "Wolf" herum, beides Chopper mit 750-Kubik-Boxer. Wirkt die Voyage auf westliche Augen ziemlich "gewollt und nicht gekonnt", so kann die Wolf schon eher überzeugen. Kein Wunder: Sie entstand unter Mitwirkung der Moskauer "Night Wolfes", des grössten russischen Motorradclubs.

Auch die neue "Voyage", ein Chopper mit luftgekühltem 750 cm3-Motor, der bereits in Vorserie gefertigt wird, hat im Museum seinen Platz gefunden.
Prototyp eines Catalysators
Ein Katalysator made in IRBIT!
Cobra
COBRA
Voyage
VOYAGE
wolf
WOLF

 

Schade, dass dieses einzigartige Museum so vernachlässigt wird. Obwohl Ural auch bei den neuen Modellen auf altbewährte Technik zurück greift und obwohl neue Modelle bereits den Beinamen "Classic" erhalten, noch bevor sie jemals modern waren, fehlt es offenbar an der einzig "richtigen" Stelle im Werk an Traditionsbewußtsein. Aber auch hier wird wohl eine Änderung lange auf sich warten lassen.

Bilder und Texte übernommen von BRETT ef-tech (eMail)

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